sichere und entspannte Hufpflege
Text von Isabel Zahn und Anne Schmidt
Bilder von Lisa Wuttke, Isabel Zahn und Anne Schmidt
Hufpflege ist eine körperlich anstrengende Arbeit. Dazu kommt der Umgang mit dem Pferd, der je nach Pferd ein zusätzliches Risiko darstellt. Pferde sind Fluchttiere und in zweiter Linie auch wehrhaft. Die Durchführung der Hufpflege steht im Gegensatz zu Bedürfnissen eines Pferdes nach freier und ungezwungener Bewegung. Nicht zuletzt verdienen Hufpflegende ihr Geld mit dieser Tätigkeit und der zeitliche Aufwand ist ein Aspekt in der Kostenrechnung.
Was sich Hufpflegende für ein Arbeitsumfeld sowie vom Kunden-Pferde-Team wünschen, um so lang wie möglich ihren Job ausüben zu können:
Um sicher zu arbeiten, benötigt es einen ebenen befestigten trockenen und rutschfesten Boden mit genug Raum nach allen Seiten, um sich frei zu bewegen und in Schrecksituationen ausweichen zu können. Krümeliger Boden verschmutzt bei jedem Absetzen des Hufes diesen aufs Neue und Bodenunebenheiten sind eine Fehlerquelle bei der Beurteilung der Hufe sowie eine gefährliche Stolperfalle für die Hufpflegenden.

Hier ist der Boden perfekt, der Arbeitsplatz ist überdacht,
die Lichtverhältnisse gut und das Pferd sicher angebunden.
Solange das Kissen auf dem Pferderücken nicht ins Rutschen kommt
und das Pferd sich erschrickt, sind das gute Bedingungen.
Wenn die Tage kürzer werden oder kein natürliches Licht am Arbeitsplatz zur Verfügung steht, ist ein gute Beleuchtung sinnvoll. Hufpflegende können mit Stirnlampe arbeiten, aber eine umfassende Beurteilung von Gang und Stand des Pferdes ist so kaum möglich.
Das Pferd benötigt einen Ort, an dem es sich sicher fühlt. In der Regel sind wichtige Artgenossen in Sichtweite und signalisieren Entspannung. Das Pferd, welches bearbeitet werden soll, wird nicht von Artgenossen bedrängt und muss auch auf Distanz keine Artgenossen abwehren oder sich in Pferdegespräche einmischen.
Gelassenes, ruhiges Stehen an einem Anbindeplatz o.ä. (auch mal allein) muss geübt werden. Das Pferd sollte hier auch zwischen den Terminen Zeit verbringen, um sich an den Platz zu gewöhnen und sich sicher zu fühlen. Dieser Platz sollte nicht auf hochfrequentierten Hauptverkehrswegen liegen, so dass in Ruhe gearbeitet werden kann und kein anderer durch die Hufpflege behindert wird. Eine ruhige Atmosphäre ist hilfreich um konzentriert zu arbeiten.

Wird das Pferd zur Hufpflege nicht am gutsitzenden Halfter mit fest verbundenem Strick (kein Panikhaken) gehalten, sondern angebunden, so hat der Anbinder (Ring in der Wand/Anbindestange) stabil zu sein und der Strick – jetzt doch wieder – über einen Panikhaken oder ähnliche Sicherheitssysteme mit Sollbruchstelle zu verfügen.
Grundsätzlich wird nur am Stallhalfter angebunden – ein Knotenhalfter ist ein reines Arbeitshalfter.

Es sieht harmonisch aus, birgt aber Gefahren. Das Pferd steht frei, andere Pferde sind umher und ganz in der Nähe auch ein Zaun der Strohm führt. Der Boden ist uneben und Platz zum Ausweichen für die Hufpflegerin gibt es auch nicht.
Der Arbeitsplatz für die Hufpflege soll witterungsgeschützt sein. Die Hufpflegenden mögen keine nassen Klamotten und keine Erkältung durch Zugluft, aber auch kein nervöses Pferd, was mit der Wetterlage unzufrieden ist. An heißen Tagen ist die Arbeit im Schatten für das Pferd und den Hufpflegenden deutlich angenehmer.
Im Sommer sollte auf Fliegenschutz geachtet werden. Manche Pferde treten genervt unter den Bauch und treffen statt der Fliegen den Hufpflegenden. Neben Sprays, die meist wenig wirksam gegen Stubenfliegen sind, empfiehlt sich eine einfache Fliegendecke.
Das Pferd steht zu Terminbeginn mit ausgekratzten und trockenen Hufen bereit.
Saubere Hufe, bereit zur Hufpflege

Dieses Pferd fühlt sich unter dem Dach unwohl. Es wird noch geübt. Bis dahin gibt es diesen Kompromiss.
Bei der Vorbereitung der Hufe gehen die Meinungen der Kolleginnen und Kollegen auseinander. Manche Hufpflegende wünschen sich in trockenen Sommern eingeweichte Hufe. Das muss über längere Zeit und kann durch Wasserhufglocken, Hochfloorteppiche, Hufschuhe mit Putzlappen und andere kreative Lösungen erfolgen. Vor der Bearbeitung werden die Hufe abgetrocknet. Extrem trockene Hufe können nur unzureichend bearbeitet werden und sehen im Endergebnis nicht so schön aus.
Andere Kolleginnen und Kollegen bevorzugen trockene Hosen und Oberteile und bearbeiten in diesem Fall nur die Teile vom Huf, die sich im Sommer auch bearbeiten lassen.
Am besten direkt mit dem Hufpflegenden besprechen, wie man für alle ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielt.

Hufe werden auf einem feuchten Teppich für die Hufbearbeitung eingeweicht.

Viele gute Beispiele, wie Hufe im Sommer für die Bearbeitung vorbereitet werden können.
Ein Wort zu Pferden mit üppigen Fesselbehang: Es ist hilfreich, wenn der gesamte Zehenwandverlauf vom Kronrand abwärts zu sehen ist. Um dies zu ermöglichen, kann mit Strumpfhosen o.ä. der Behang etwas oberhalb des Hufes verwahrt werden. Im Herbst/Winter kann ein etwas kürzerer Haarschnitt des Fesselbehangs für mehr Luft und weniger Feuchtigkeit an den Hufe und gleichfalls für bessere Sichtbarkeit sorgen.
Im Vorfeld der Hufbearbeitung hat das Pferd gelernt, stressfrei Hufe zu geben und das Gewicht seines Beins selbstständig zu halten.
Ist das nicht möglich, weil der Ausbildungsstand des Pferdes, das noch nicht hergibt, weil tagesaktuell eine Situation eingetreten ist, die dem Pferd die Gelassenheit raubt oder weil das Pferd in der Vergangenheit traumatisiert wurde und Verhaltensauffälligkeiten zeigt, dann müssen diese Dinge so früh wie möglich, spätestens jedoch vor der Hufbearbeitung bekannt gegeben werden.
Ein gut ausgebildeter Hufpfleger kann auf viele Situationen reagieren und für vieles Lösungen finden. Situationen verschweigen, um zugunsten der Hufbearbeitung das Risiko für alle Beteiligten zu erhöhen, ist grob fahrlässig.
Sind Pferde körperlich eingeschränkt, soll auch das angezeigt werden und wenn es bereits bewährte Strategien gibt, wie es dem Pferd ermöglicht werden kann, Hufe zu geben, dann bitte auch darüber informieren.
Natürlich haben fast alle Pferdebesitzende eine Beziehung zu ihren Pferden. Die Beziehungsgestaltung ist immer individuell. Insbesondere für die Zeit der Hufpflege ist eine besonnene konfliktfreie/-arme Atmosphäre von großer Wichtigkeit. Keine Streitereien am und mit dem Pferd. Lassen sie ihren Alltagsstress am Stalltor zurück.
